Zurück ins Leben – mit neuer ambulanter Hilfe für Sucht­kranke

Modernisierte Aufenthaltsbereiche der Station 2.4 mit wohnlicher Gestaltung, natürlichen Materialien und beruhigender Atmosphäre
Einladend, offen und wohnlich: Die Station 2.4 wurde umfassend modernisiert – in enger Zusammenarbeit von Patienten und Mitarbeitenden. Die neue Gestaltung mit warmen Farben, viel Grün und natürlichen Materialien schafft ein Umfeld, das Sicherheit und Wertschätzung vermittelt. Quelle: Bezirkskrankenhaus Landshut

Wie schafft man den schwie­rigen Übergang von der Klinik zurück in den Alltag – ohne Rückfall? Diese Frage stellt sich vielen Menschen nach einer Behandlung wegen Alkohol- oder Medika­men­ten­sucht. Das Bezirks­kran­kenhaus Landshut (BKH) bietet nun eine weitere ambulante Unter­stützung an, die in der Region bislang einzig­artig ist: Eine intensive ambulante Nachbe­treuung für sucht­kranke Menschen – persönlich, nah und profes­sionell begleitet.

Seit dem 1. Oktober stehen bis zu 10 ambulante Plätze für ehemalige, besonders schwer betroffene Patienten der Station 2.4 zur Verfügung. Dieses neue Angebot ergänzt die bestehenden 24 statio­nären und drei tages­kli­ni­schen Behand­lungs­plätze. Bei Bedarf könnten in Zukunft weitere Plätze entstehen.

„Wir lassen die Menschen nicht allein“

Die Idee: Wer eine Entzugs­be­handlung schon mehrfach abgeschlossen hat und gleich danach im häuslichen Umfeld wieder scheitert, braucht eine erwei­terte Unter­stützung – zum Beispiel bei der Tages­struktur, Medika­men­ten­ein­nahme oder bei Rückfal­längsten. Genau hier setzt die neue ambulante Nachsorge an.

Auch Milica Cvijic, pflege­rische Stati­ons­lei­terin, weiß um die Heraus­for­de­rungen: „Diese Phase nach dem Entzug ist oft der Knack­punkt. Ein Rückfall kann schnell passieren, wenn die Unter­stützung wegfällt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt ambulant weiter für die Menschen da sind.“

Ein neues Kapitel in der Sucht­be­handlung

Das neue Modell ist mehr als eine medizi­nische Maßnahme – es stärkt die persön­liche Begleitung und rückt die indivi­duelle Lebens­si­tuation der Betrof­fenen in den Mittel­punkt.

„Wir erweitern unser ambulantes Angebot und ergänzen damit die bestehende ambulante Sucht­hilfe für Menschen, die insbe­sondere schwer und chronisch erkrankt sind“, betont Chefarzt Prof. Dr. Hermann Spießl. „Denn Sucht ist eine oft lebenslang beglei­tende Erkrankung. Die Behandlung endet nicht mit dem Entzug – es braucht Zeit für Entwöhnung und Nachsorge.“

Was das neue Angebot besonders macht

Die Nachsorge findet ein- bis zweimal pro Woche statt und wird indivi­duell auf die Lebens­si­tuation der Patienten und Patien­tinnen abgestimmt. Dabei stehen alltagsnahe Hilfen im Vorder­grund – sei es beim Umgang mit Medika­menten, bei der Bewäl­tigung von Stress oder der Struk­tu­rierung des Tages­ab­laufs. Auch ergän­zende Maßnahmen wie Akupunktur können zum Einsatz kommen. Durch­ge­führt wird die Betreuung von einem erfah­renen Pflegeteam, das seit vielen Jahren in der Sucht­me­dizin tätig sind.

Warum Nachsorge so wichtig ist

Sucht ist weit verbreitet – oft unsichtbar. Laut aktuellen Daten leiden rund 3,9 Millionen Menschen in Deutschland an einer alkohol­be­zo­genen Störung. Etwa 2,2 Millionen davon gelten als abhängig. Jährlich sterben rund 47.500 Menschen an den Folgen von Alkohol­miss­brauch.

Rückfälle sind häufig – vor allem dann, wenn die Betrof­fenen nach der Klinik auf sich allein gestellt sind. „Mit unserem neuen Angebot geben wir Halt, wo viele den Boden unter den Füßen verlieren“, sagt Dr. Liebl. „Gleich­zeitig gehen wir damit einen wichtigen Schritt in Richtung moderne, ambulant orien­tierte Psych­iatrie.“ Die stärkere Ambulan­ti­sierung entlastet zudem die statio­nären Bereiche und insbe­sondere den akuten Sucht­be­hand­lungs­be­reich, da Patien­tinnen und Patienten aus geschützten in offenere Settings verlegt werden können – mit weiterhin enger Begleitung und Unter­stützung.

Ein Angebot, das Hoffnung macht

Mit der neuen ambulanten Nachsorge setzt das Bezirks­kran­kenhaus Landshut ein Zeichen, wie Milica Cvijic betont: „Die Sucht­be­handlung setzt sich nun nach der statio­nären Behandlung fort. Sie geht weiter – in den Alltag, mit Hilfe, Herz und Hand.“