Licht und Schatten

Dr. Tanja Hochegger und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich beim gemeinsamen Austausch im Bezirkskrankenhaus Landshut
Dr. Tanja Hochegger, Chefärztin der KJP Landshut, und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich

Landshut. Die Klinik für Kinder- und Jugend­psych­iatrie am Bezirks­kran­kenhaus (BKH) Landshut steht schon seit Jahren vor großen Heraus­for­de­rungen – doch es gibt Grund zur Zuver­sicht. Chefärztin Dr. Tanja Hochegger berichtete Bezirks­tags­prä­sident Dr. Olaf Heinrich, dass sich die Perso­nal­si­tuation im oberärzt­lichen Bereich stabi­li­siert hat. „Wir haben ein gemischtes Oberarzt-Team aus verschie­denen Regionen. Das bringt eine gute Dynamik mit sich und erlaubt uns, neue Projekte anzugehen.“

Brücke zwischen zwei Welten

 Ein beson­deres Vorhaben ist die geplante Transi­ti­ons­station – eine psych­ia­trische Einrichtung, die den Übergang zwischen Kinder- und Jugend­psych­iatrie und Erwach­se­nen­psych­iatrie begleitet. „Es ist ein Herzens­projekt für das gesamte Team“, betonte Hochegger. Viele Patienten zeigen auch zum Zeitpunkt der Volljäh­rigkeit noch anderen Bedarf, als in den Kliniken für Psych­iatrie und Psycho­the­rapie ermög­licht werden kann, erläu­terte die Chefärztin. Besonders wenn die jungen Erwach­senen noch einen sozio-emotio­nalen Entwick­lungs­bedarf haben und die Autono­mie­ent­wicklung verzögert ist, muss der Übergang von der Jugend­psych­iatrie in die Psych­iatrie gut begleitet werden. „Wenn wir 18-Jährige in die Erwach­se­nen­psych­iatrie entlassen, sehen wir deutlich, dass dieser Übergang Krisen auslösen kann. Eine Transi­ti­ons­station begegnet genau diesem Problem.“ Die künftige Station soll mit je zehn Betten der Kinder- und Jugend­psych­iatrie sowie der Erwach­se­nen­psych­iatrie betrieben werden. Der Aufbau ist ab 2027 geplant.

Virtuelle Realität gegen Angst­stö­rungen

Im Rahmen des Forschungs­pro­jekts VISAKI – „Virtuelle Inter­aktion zur Förderung der mentalen Gesundheit und sozialen Angst­stö­rungen bei Kindern” – arbeitet die Klinik gemeinsam mit der TH Deggendorf daran, wie Augmented und Virtual Reality in der Behandlung von Kindern mit Angst­stö­rungen einge­setzt werden können. Dabei wird die natür­liche Spiel­freude der Kinder genutzt: In einem sicheren virtu­ellen Raum können sich Kinder schritt­weise an angst­aus­lö­sende Situa­tionen heran­tasten. „Wir freuen uns sehr über unsere Betei­ligung an dieser Studie“, sagte Hochegger. „Sie eröffnet neue Behand­lungs­op­tionen und bietet betrof­fenen Kindern eine echte Chance.“ Aller­dings gestalte es sich schwierig, genug junge Teilneh­me­rinnen und Teilnehmer zu gewinnen und Eltern vom Nutzen der Studie zu überzeugen.

„Psychische Erkran­kungen treten seit einigen Jahren immer häufiger in Erscheinung“, so Bezirks­tags­prä­sident Dr. Heinrich. „Die Fallzahlen steigen – einer­seits, weil die psychi­schen Belas­tungen zunehmen, aber auch weil die Sensi­bi­lität für seelische Erkran­kungen wächst und Vorbe­halte gegen psych­ia­trische Behandlung zurück­gehen. Das ist eine gute Nachricht. Um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten, müssen wir am Puls der Forschung bleiben und Therapien ständig weiter­ent­wi­ckeln – besonders in der Kinder- und Jugend­psych­iatrie. Dazu tragen die aktuellen Projekte am BKH Landshut ganz entscheidend bei.“

Pflege unter Druck

 Anders als im ärztlichen Bereich bleibt die Lage in der Pflege angespannt. „Die Pflege steht unter großem Druck“, so Hochegger. Ein struk­tu­reller Nachteil sei das Fehlen einer Pflege­schule in Landshut, die konti­nu­ierlich für Nachwuchs sorgen könnte. Hinzu komme, dass die Psych­iatrie ein besonders anspruchs­volles Fachgebiet ist, das Zeit zur Einar­beitung erfordert – Zeit, die bei dünner Perso­nal­decke oft fehlt. Durch die hohe Belastung, würden neue Pflege­kräfte sogar häufig das Handtuch werfen.

Nachwuchs für die Pflege in der Psych­iatrie zu gewinnen sei wichtig, ihn zu halten aber essen­tiell, betonte der Bezirks­tags­prä­sident. „Hier muss weiter an den Rahmen­be­din­gungen gearbeitet werden. Unser Fundament sind die erfah­renen Pflege­kräfte, die ihr Wissen und ihre Haltung an Jüngere weiter­geben – das ist nicht selbst­ver­ständlich und verdient großen Respekt.“

Foto: Bezirk Nieder­bayern, Sabine Bäter

 

 Der Bezirk Nieder­bayern:

Mit den anderen sechs bayeri­schen Bezirken bildet der Bezirk Nieder­bayern die dritte kommunale Ebene. Das Bezirks­gebiet umfasst neun Landkreise, drei kreis­freie Städte und eine Große Kreis­stadt. Die Kernauf­gaben umfassen die Bereiche Soziales, Gesundheit, Kultur- und Heimat­pflege, Bildung und Jugend sowie die Fachbe­ratung für Fischerei. Als überört­licher Träger der Sozial­hilfe unter­stützt der Bezirk Pflege­be­dürftige, Senioren und Kranke sowie Menschen mit Behin­de­rungen, die auf Hilfe­leis­tungen angewiesen sind. Mit dem Bezirks­kli­nikum Mainkofen sowie den Bezirks­kran­ken­häusern Landshut, Straubing und Passau sichert der Bezirk die psych­ia­trische Versorgung Nieder­bayerns. Der Bezirk Nieder­bayern ist auch ein wichtiger Arbeit­geber in der Region: Insgesamt sind für den Bezirk und seine Einrich­tungen rund 3.700 Mitar­beiter tätig. Dazu gehören neben den Bezirks­kran­ken­häusern auch schulische Einrich­tungen wie das Institut für Hören und Sprache in Straubing sowie das Agrar­bil­dungs­zentrum Landshut-Schön­brunn.