Besondere Jugend­hilfe: ISPR unter­stützt Schüler in Not seit 15 Jahren

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirksrätin Monika Maier gratulieren ISPR-Leiter Michael Fischer zum 15-jährigen Bestehen des ISPR am BKH Landshut
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (links) und Bezirksrätin Monika Maier beglückwünschten ISPR-Leiter Michael Fischer anlässlich des 15-jährigen Bestehens des ISPR. (Foto: Bezirk Niederbayern, Korbinian Huber)

Landshut. Wenn Schüler in psychische Krisen geraten, wenn sie ihr schuli­scher Alltag überfordert oder sie immer wieder durch Gewalt und Aggression auffallen, dann erhalten sie Hilfe im ISPR – dem Institut für schulische und psycho­so­ziale Rehabi­li­tation. Hier gestalten die Heilpäd­ago­gische Tages­stätte (HPT) und die Schule für Kranke ein Ganztags­an­gebot für Förderung und Unter­richt, das Kindern und Jugend­lichen wieder zurück in den Alltag helfen soll. Zu finden ist das ISPR, eine Einrichtung des Bezirks Nieder­bayern, auf dem Gelände des Bezirks­kran­ken­hauses (BKH) Landshut. Dort ist es angeschlossen an die Kinder- und Jugend­psych­iatrie, mit der das ISPR eng zusam­men­ar­beitet. 

Um über Erfolge und Heraus­for­de­rungen zu sprechen, besuchten Bezirks­tags­prä­sident Dr. Olaf Heinrich und Bezirks­rätin Monika Maier, die den Bezirkstag auch im Kranken­haus­beirat vertritt, das ISPR – und nutzten die Gelegenheit, um zum 15-jährigen Bestehen dieser bundesweit nahezu einzig­ar­tigen Einrichtung zu gratu­lieren. 

Diplom-Pädagoge Michael Fischer leitet das ISPR. Zusammen mit sieben Kollegen, vor allem Sozial­päd­agogen und psych­ia­tri­schen Fachkräften, betreut er die beiden Gruppen des ISPR. Die kleinere Gruppe besteht aus sieben Schülern im Grund­schul­alter, die größere aus neun Schülern bis zur 10. Klasse. Trotz des hohen Betreu­ungs­schlüssels haben Fischer und seine Kollegen viel zu tun. Neben dem Unter­richt, den vor allem Lehrkräfte der Schule für Kranke durch­führen, übernehmen sie die sozial­päd­ago­gische Kernarbeit, helfen bei den Hausauf­gaben, erarbeiten mit den Schülern eine Tages­struktur, organi­sieren Ausflüge und konzi­pieren gruppen­päd­ago­gische Ferien­an­gebote. Das ISPR habe nur drei Wochen im Jahr geschlossen, ansonsten seien sie immer für die Schüler da, sagt Fischer. 

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Rund 75 Prozent der Schüler des ISPR schaffen es zurück an eine Regel­schule, einige machen ihren Schul­ab­schluss auch direkt am ISPR und wechseln anschließend in eine Ausbildung. Zwischen 12 und 18 Monaten verbringen die Kinder und Jugend­lichen unter der Obhut von Michael Fischer und seinem Team, in Ausnah­me­fällen auch länger. „Hinter jedem Kind steckt ein Schicksal“, sagt Fischer. „Deshalb versuchen wir jedem Schüler eine indivi­duelle Betreuung zu ermög­lichen.“ 

Das ISPR gibt es seit 2009. Wesentlich an der Gründung beteiligt waren der damalige Chefarzt der Lands­huter Kinder- und Jugend­psych­iatrie Dr. Matthias von Aster und dessen Bruder Prof. Dr. Michael von Aster. Neben dem ISPR in Landshut gibt es eine vergleichbare Einrichtung deutsch­landweit nur mit dem Zentrum für Schulische und Psycho­so­ziale Rehabi­li­tation (ZSPR) in Berlin. Bezirks­tags­prä­sident Dr. Heinrich: „Der Bezirk Nieder­bayern ist hier ein Vorreiter in der ambulanten Jugend­hilfe. Es ist beein­dru­ckend, was das ISPR seit 15 Jahren erreicht. Die Brüder von Aster haben visionäre Arbeit geleistet.“ 

Seither ist der Andrang auf das ISPR groß. Geplant wurde die Einrichtung zunächst für nur eine Gruppe, 2017 folgte dann eine zweite. Wenn es nach der Nachfrage ginge, könnte Leiter Michael Fischer noch viele weitere ins Leben rufen. „Mit dem Ende der Pandemie ist die Zahl der Inter­es­senten regel­recht explo­diert“, so Fischer. Doch der Fachkräf­te­mangel mache auch bei seinem Team nicht halt, neue Stellen zu besetzen sei schwierig. Außerdem wachsen die Heraus­for­de­rungen stetig. „Corona war ein großer Bruch, der viele Jugend­liche verun­si­chert hat.“ Aber auch die Arbeit mit den Eltern sei teilweise extrem heraus­for­dernd, viele seiner Schüler stammen aus schwie­rigen Verhält­nissen, sagt Fischer. 

Dr. Heinrich: „Die Bezirke in Bayern übernehmen wichtige Aufgaben im Bereich Soziales, sind aber auch im Bildungs­wesen tätig. Das ISPR vereint beides und es freut mich zu hören, wie vielen Kindern und Jugend­lichen die Einrichtung damit zurück in den Alltag hilft. Wir dürfen junge Menschen in schwie­rigen Lebens­lagen nicht allein lassen.“

Bezirks­rätin Monika Maier sagte, sie schätze am ISPR vor allem die vielfäl­tigen Angebote, die über das Schulische hinaus­gingen. „Es ist schön zu sehen, dass die Kinder Ausflüge machen können, ihnen Kunst und Kultur vermittelt wird und sie bei sport­lichen Aktivi­täten Selbst­ver­trauen schöpfen wie etwa beim Fußballgolf in meiner Gemeinde Boden­kirchen.“